Sillustani

 

Tour Süd-Perú 2017 - Tag 08 - Atuncolla 2017Atuncolla

Was wäre eine Rundreise durch den Süden Perús ohne bei den Grabtürmen von Sillustani vorbei zu schauen. Wenn man auf dem Weg von Juliaca nach Puno ist, so steht rechts der Hauptstraße kurz vor der Mautstation ein kleines Schild, das den Weg nach rechts in Richtung Atuncolla und Sillustani weist. Das kleine Dörfchen Atuncolla fällt den meisten Touristen meist durch die Bebauung mit Häusern und Höfen aus den üblichen Lehmziegeln, die mittel- bis dunkelbraun sind. Von Puno aus sind es mit dem Pkw, Bus oder Taxi etwa 30 Minuten bis nach Sillustani.

Nun fallen entlang der Straße nach Atuncolla und Sillustani den aufmerksamen Blicken die Mauern und Tore zu den Höfen durch ihre Ausschmückungen auf. Auch befinden sich hier auf den Toren der Zugangsbereiche und auf den Dächern der Wohnbebauungen neben dem indigenen Kreuz auch die hübschen kleinen Stierpaare, die hier als Glücksbringer gelten. Die einheimischen Bauern zeigen euch gerne für ein kleines Geld ihre Höfe, ja sogar ihre Schlafkammern, die so ganz im natürlichen Stil hergestellt und ausgestattet sind. Untertags kommen euch möglicherweise auch die Kinder der Bauern entgegen und laden euch recht bestimmt zu einer Führung durch das kleine Reich der Familie ein.

Tour Süd-Perú 2017 - Tag 08 - Sillustani 2017

Der Hauptstraße weiter folgend gelangt man dann an den Zugang der neu erstellten Besucheranlage von Sillustani. Hier merkt man dann als Tourist genau, das leider auch hier der Kommerz mehr und mehr Einzug hält. So ist hier ein großer Parkplatz für Pkw, Motorräder und auch für Busse entstanden. Die kleine Straße zum Hügel hinauf wird von Verkaufsständen umrahmt. Kaum einer gelangt also ohne Souvenir an das eigentliche Ziel, den Grabhügel oberhalb des Umayo-Sees, denn bis an die Treppenanlage oder den Weg der dann hinauf zu den Grabtürmen führt stehten dann die Verkaufsstände. Die Begräbnisstätte kann man nun am einfachsten erklimmen, wenn man sich für den Weg auf der rechten Seite entscheidet. Dieser Weg ist nicht so steil wie die Treppenanlage und auch gehbehinderte können diesen Weg benutzen. Der landschaftlich attraktive Umayo-See ist einer der schönsten Plätze der Region, um Wasservögel zu beobachten.

 

 

 

 

Die Grabtürme - die Chullpas

Tour Süd-Perú 2017 - Tag 08 - Sillustani 2017Tour Süd-Perú 2017 - Tag 08 - Sillustani 2017

Die Grabtürme von Sillustani sind die faszinierendsten, nicht aus der Inka-Zeit stammenden Sehenswürdigkeiten, die Perú zu bieten hat. Hier bestatteten die Vorfahren der Inka, das Volk der Colla (einem Stamm der Aymara) ihre Könige in überaus monumentalen Steintürmen. Es führt immer wieder zu Verwunderungen, denn die Menschen der Region lebten, wie in Atuncolla heute noch in ihren einfachen Lehmhütten mit strohbedeckten Dächern, bauten aber für ihre herrschenden Toten sehr imposante Grabtürme aus Stein, die sogenannten „Chullpas". Diese mehrere Meter hohen und runden Begräbnisstätten sind in nicht nur hier in Sillustani, sondern auch in weiteren Regionen der Zentralanden anzutreffen.

Tour Süd-Perú 2017 - Tag 08 - Sillustani 2017

Tour Süd-Perú 2017 - Tag 08 - Sillustani 2017

Die Türme sind zumeist in einem mehr oder weniger guten Zustand. Einige an der vordernen Hügelkante stehen noch scheinbar vollständig, weitere sind durch verschiedenste Erdbeben und auch durch die Grabplünderungen zum Teil oder ganz zerstört. Einige andere der Cullpas wurden anscheinend nie komplett errichtet. Das die Gräber als Turmbauten errichtet wurden, verdankt die Nachwelt den Aymara. Archäologen gehen aber mittlerweile auch davon aus, dass nach der Unterwerfung der Aymara durch die Inka die Herstellung der Grabtürme eine Zeit lang weiter beibehalten wurde. Das kann man auch an den Arten und der Ausführung der behauenen Steine der heute noch stehenden Türme erkennen, da die Steine der später zur Inka-Zeit errichteten Bebauungen höher sind als die übrigen aus der Vorzeit und auch eine größere Grundfläche einnehmen. Auch sind die zur späteren Zeit bearbeiteten Steinblöcke weitaus genauer bearbeitet. Zuletzt wurde bei den im Jahr 1971 stattgefundenen archäoligischen Ausgrabungen ein immenser Goldschatz von etwa vier Kilogramm gefunden, der den Grabräubern entgangen ist.

Die zwölf Chullpas von Sillustani sind bis zu über zehn Metern hoch und mit einer Steinplatte oder einem Strohdach bedeckt. Die älteren Chullpas am Hügelrand sind aus kleineren Steinen gebaut und mit Lehm verkleidet worden. Die neuzeitlicheren, jüngeren Chullpas aus der Inka-Zeit sind aus perfektionierten ineinandergefügten rechteckigen Vulkansteinen erstellt worden. Die einzige Öffnung eines jeden Grabturmes ist nach Osten ausgerichtet. Das ist auch gemäß dem Glauben der Wiedergeburt geschuldet, denn in jener Richtung geht auch jeden Morgen die Sonne auf, die als ein Zeichen der Wiedergeburt gilt. Einige der Gräber haben Eidechsen, die in den Stein gemeißelt wurden. Weil die Schwänze von Eidechsen nachwachsen, wird das neben der Sonne als Symbols des neuen Lebens angesehen.

In den Chullpas wurden die sterblichen Überreste der Könige und anderen ehrwürdigen Personen begraben. Die Verstorbenen, wurden in der fötalen Haltung dann in Tüchern aus Pflanzenfasern eingeschnürt und konnten dann so in dem Glauben an eine neue Geburt auf ihren letzten Weg der Lebensreise geschickt werden. Etliche Körper blieben Dank der trockenen und kalten Luft auch über die Jahrhunderte hinweg erhalten. Es wurde den Verstorbenen stets ein Teil ihrer Habseligkeiten als Grabbeigabe mit in der Chullpa eingemauert. Es gibt verschiedene Aussagen dazu, die auch davon ausgehen, dass auch Dienerinnen und Diener tatsächlich mit eingemauert wurden.

 

Anmerkungen:

Sillustani kann von Puno aus in etwa einer halben Stunde aus mit dem Taxi oder dem Bus die relativ neu asphaltierte Straße erreicht werden. Einge ganz neue und viel breitere Straße befindet sich Stand Januar 2017 im Bau. Der Eintritt von 11 Soles wird an der Zufahrt der Anlage fällig.

Am späteren Nachmittag werden die Grabtürme von Sillustani von der niedrig stehenden Sonne in ein fantastisches mystisch wirkendes Licht getaucht. Das ist die beste Voraussetzung für herrliche Fotos.