Konvent Santo Domingo - Coricancha

 

 

Cusco - Coricancha

Die Coricancha war der heiligste Ort, an dem die Inka Hochzeiten, Krönungen, Bestattungen und Riten von „nationaler“ Bedeutung feierten. Den Tempel des Inti, (Sonne) konnten nur Inkas nüchtern, barfuß und zum Zeichen ihrer Demut mit einer Last auf dem Rücken, den Weisungen des Willaq Umu (Villac Umu, Huillac Umu), des Hohepriesters des Sonnenkultes folgend betreten. Dieser lebte immer in der Nähe des Sapa Inka. Sofern der Sapa Inka sich in Cusco aufhielt, war die Coricancha Sitz des Villac Umu und seine Hauptwirkungsstätte. Neben dem Hauptsonnentempel des Reiches umschlossen sechs weitere Tempel Inti Pampa (Quechua = Sonnenfeld), die dem Kult anderer Gottheiten, wie Mama Killa (Mutter Mond) und Illapa, dem Gott des Blitzes und Donners, dem Kult der Venus (Ch'aska quyllur) und der Plejaden (Suchu, qullqa quyllur), der Wettergötter und des Regenbogens (K'uychi, im „Schlangentempel“ Amarukancha) dienten.

Cusco - Coricancha

Das Tempelinnere verfügte neben anderen Schätzen auch über jene goldene Scheibe, die die Sonne repräsentierte und darüber hinaus eine Darstellung des gesamten inkaischen Pantheons. In trapezförmigen Nischen in den Wänden und auf goldenen Thronen waren die Königsmumien aufgestellt und mit goldenen Masken und überaus fein gewebten Stoffen dekoriert. Die Mumien wurden durch Diener mit Speisen und Getränken rituell versorgt. Boden und Wände waren ursprünglich mit 700 soliden Goldplatten bedeckt. Die massivgoldene Sonnenscheibe in Gestalt eines Menschen war vor einer mit Smaragden und Türkisen reich geschmückten Wand so aufgestellt, dass die aufgehende Sonne vom Metall und den Edelsteinen reflektiert wurde und jene ein blendend goldenes Licht zurückwarfen.

Der benachbarte Raum, der der Mondgöttin Mama Killa gewidmet war, war vollkommen mit Silber ausgeschlagen. Hier wurde eine aus Platin hergestellte silberfarbene Mondscheibe in Frauengestalt als Braut und Schwester des Sonnengottes von 10 Meter Durchmesser und über 900 kg Gewicht verehrt und um Fürsprache und Kindersegen gebetet. In diesem Raum waren die Mumien der „Coyas“, der Königinnen aufgestellt.

Tour Süd-Perú 2017 - Tag 03 - Cusco - Qorikancha 2017

Der Chronist Pedro Sarmiento de Gamboa versicherte, Pachacútec habe in der Coricancha große, goldgerahmte Leinwände aufhängen lassen, auf denen die Inka-Geschichte aufgezeichnet wurde, die später in der angrenzenden „Puquincancha“, dem „Reichsarchiv“ aufbewahrt wurden und beim Sturm auf Cuzco zusammen mit der Stadt in Brand gerieten. Pachacútec machte die Coricancha zum Schauplatz eines im präkolumbischen Amerika einmaligen Vorgangs, eines „Theologen“-kongresses, einer Art Konzil, bei dem der Viracocha-Kult reformiert wurde. Pachacútec ließ in der Coricancha ein ovales Bildnis Viracochas aufstellen, so wie auch die übrigen Hauptgottheiten in der Coricancha über ein ovales Bildnis verfügten.

In seiner Nachbarschaft befand sich außerdem ein Heiliger Garten, der mit goldenen Figuren von lebensgroßen Menschen, Tieren und Pflanzen geschmückt war. Der Chronist Pedro Cieza de León beschrieb: „In dem die Erde aus Klumpen feinen Goldes bestand, mit Maispflanzen mit goldenem Stengeln, Blättern und Kolben, die so fest gepflanzt waren, dass sie nicht entwurzelt wurden, gleich wie stark der Wind blies. Daneben weideten zwanzig goldene Lamas mit ihren Lämmern, bewacht von lebensgroßen Hirten mit Krummstäben und Schleudern, die wie alles, aus purem Gold waren.“ Wohlgestaltete indigene Mädchen pflückten hier goldene Früchte von goldenen Bäumen. Auf den Zweigen von goldenen Bäumen und Sträuchern wiegten sich aus Gold gefertigte Vögel, wie beispielsweise Kolibris. Goldene Schlangen, deren Augen aus dunklen Edelsteinen funkelten, wanden sich über den Boden. In Wiesen, deren einzelne Halme täuschend echt aus Gold gearbeitet waren, glänzten Blüten aus Edelsteinen, auf denen sich goldene Schmetterlinge niederließen und durch die goldene Käfer krochen. Daneben gab es Eidechsen, Mäuse und sogar Spinnen, aber auch Gießkannen und fünf Brunnen aus Gold. Ähnliche Gärten in Silber schmückten andere Tempelhöfe. Gold und Silber hatten ausschließlich kultischen Wert, galt doch das Gold als „Schweißperlen der Sonne“ und Silber als „Tränen des Mondes“.

Obwohl die Coricancha selbst nicht auf der Liste der Heiligtümer zu finden war, vermuteten die Spanier wegen der reichen Opfergaben, dass er den Inka als der allerheiligste Ort galt, weshalb sie hier eine Kirche mit Konvent errichteten.

 

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